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Per Franke, Alice Jorge, Reiner Kracht und 27 weitere Nutzer von atemschutzlexikon.de 

Frage

Wir sind dabei Druckluftflaschen zu beschaffen. Was sollte man aus sicherheitstechnicher Sicht heraus dabei beachten?

Antwort

Flaschenarten

Derzeit sind Druckluft-Flaschen aus Stahl- und Composite-Material erhältlich. Sie lassen sich je nach Zulassung und Kennzeichnung als Arbeitsflaschen und Flaschen für Pressluftatmer nutzen. Die Hersteller bieten sie in vielen Volumengrößen und für 200 oder 300 bar an.

Detaillierte Hinweise zu Composite Druckluft-Flaschen enthält der Beitrag „Druckluftflaschen aus CFK – was ist das?“ im gleichen Kapitel. Neu und dafür ergänzende ist, dass es nun auch CFK- Druckluftflaschen 300 bar/9,0 l gibt. Wer die beschaffen will, sollte vorab schon prüfen, ob

 

  • der Pressluftatmer mit dieser Flasche nachweisbar zertifiziert ist. Das hat der Hersteller Ihnen nachzuweisen.
  • diese etwas dickere und längere Flasche mit der übrigen Persönlichen Schutzausrüstung kompatibel ist. Insbesondere sollte dabei das risikofreie Zusammentragen mit dem Feuerwehrschutzhelm oder gar der Masken-Helm-Kombination geprüft werden.

 

Flaschen werden entsprechend Druckgeräterichtlinie 97/23 EG hergestellt, zertifiziert und mit der CE-Kennzeichnung versehen. Empfehlenswert ist die Beschaffung gefüllter Flaschen mit Erstinbetriebnahme-Bescheinigung nach Betriebssicherheitsverordnung (Betr.SichV).

 

Flaschenventile

Druckluft-Flaschen sind mit einem zylindrischen M 18 x 1.5 Gewinde ausgestattet. Die Ventile sind nach EN 144 zugelassen. Sie bestehen aus verchromten, zähharten Messing, das einer Stoßbelastung von min 200 Joule und Temperaturen bis zu -40 °C widersteht. Weiterhin bieten die Hersteller Ventile E17 con, also  Ventile mit konischem Einschraubstutzen, als Ersatzteil für zugehörige Stahlflaschen 4,0l/ 200 bar an.

Handrad mit Schutz gegen unbeabsichtigtes Zudrehen

Sinnvoll ist auch die Beschaffung von Druckluftflaschen, deren Ventil ein Handrad  mit Schutz gegen unbeabsichtigtes Schließen besitzt. Dafür lassen sich z. B. Handräder mit elliptischem Querschnitt oder mit arretierendem Handrad nutzen. verhindern einen versehentlichen Ventilverschluss in engen Räumen. Um das Ventil zu schließen, muss das Handrad gleichzeitig gezogen und gedreht werden.

Ventilabströmsicherung

Sicherheitstechnisch sinnvoll ist die Zusatzausrüstung „Ventilabströmsicherung“ für Druckluftflaschen. Sie verhindert unkontrolliertes Ausströmen im Falle eines Ventilbruchs. Diese Sicherheitseinrichtung wird anstelle des Sinterfilters an das Flaschenventil angeschraubt (Bild 1). Bei unbeabsichtigtem Öffnen des Flaschenventils oder gar einem Ventilabbruch tritt ein federbelasteter Kolben in Funktion, der das Ventil nahezu verschließt, so dass die Luft nur langsam entweichen kann (Bilder 2 und 3). Die Ventilabströmsicherung behindert nicht den Gebrauch im Pressluftatmer.

Flaschen für die Verwendung im Bereich der Technischen Hilfe, z. B. für Dicht- und Hebekissen sowie Sprungretter eignen sich wegen der durch die Ventilabströmsicherung stark begrenzte Abströmmenge eher weniger zur Ausrüstung der Ventile mit diesem Bauteil.

Wolfgang Gabler
Redakteur

Bild 1: Komplettventil mit Abströmsicherung (Quelle: Dräger Safety AG & Co. KGaA)
Bild 2: Abströmsicherung (Quelle: Dräger Safety AG & Co. KGaA)
Bild 3: Arbeitsprinzip Abströmsicherung (Quelle: Dräger Safety AG & Co. KGaA)